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E. K. Johnston

Tausend Nächte aus Sand und Feuer


 
»Tausend Nächte aus Sand und Feuer« von E. K. Johnston


Besprochen von:
 
NannyOgg
Deine Wertung:
(3)

 
 
Einst war Lo-Melkhiin, Herrscher über die bekannte Welt, ein berühmter Jäger der Wüste, der die Menschen vor den wilden Löwen beschützte, furchtlos und mutig war. Auf einer seiner Reisen in die Wüste begegnete ihm allerdings ein Dämon, der von Lo-Melkhiins Körper Besitz nahm und unter seinem Namen herrschte. Für die Händler war er ein guter Herrscher, da sie in Wohlstand leben konnten, aber er war auch grausam und hatte seinen Spaß damit, Menschen zu quälen.

Er begann eine Königin zu suchen, doch das Mädchen überlebte die erste Nacht nicht, der Dämon stahl ihr das innere Feuer, sodass sie verwelkte und starb. Berauscht von dem Gefühl, suchte er sich immer neue Königinnen. Einige hielten einige Nächte durch, andere starben sofort. In den Städten und Wüstendörfern wurde er gefürchtet, kam er doch, um die Töchter zu stehlen.

In einem Wüstendorf lebte ein Mädchen mit einer wunderschönen Schwester. Als Lo-Melkhiin auftauchte, um seine neue Königin zu wählen, hatte sie Angst, dass er ihre Schwester mitnehmen würde. Also stellte sie sich furchtlos vor sie und sorgte dafür, dass der Herrscher mit ihr in seinen Palast ritt, bereit zu sterben und sich für ihre Schwester zu opfern. Aber sie starb nicht. Nicht in der ersten Nacht, nicht im ersten Monat und so langsam begann sie, ihre eigene innere Stärke und Magie zu finden. Wild entschlossen, zu überleben und dafür zu sorgen, dass Lo-Melkhiin nie wieder ein Mädchen entführte, entschied sie sich, den Dämon zu vernichten. Aber wie vernichtet man einen Dämon, der so stark und so alt ist wie dieser?

Kommentar:
„Tausend Nächte aus Sand und Feuer“ spielt im Orient in einer Zeit der Karawanen, Zeltstädte und Magie. Die Mädchen tragen hauchzarte Schleier und bunte Kleider, die Männer sind Hirten, Händler oder Jäger und Krieger. Es ist eine märchenhafte, aber auch eine grausame Welt aus Sand, Hitze, wenig Wasser und Wüstenstürmen, in der die Menschen oftmals um ihr Leben kämpfen müssen, aber trotzdem all das Schöne auf der Welt nicht vergessen. Ich hatte das Gefühl, dass die Autorin über das Leben in der Wüste sehr viel wusste. Das Leben der Menschen als Hirten oder anstrengende und mühsame Arbeiten wie das Mahlen von Korn wurden sehr detailliert beschrieben, was mir gut gefallen hat. Es hat die Geschichte authentischer wirken lassen.

Ich lese Geschichten, die in der Wüste mit all ihren Geheimnissen und ihrer Magie spielen, sehr gern, daher habe ich mich auf das Buch gefreut. Leider muss ich sagen, dass es doch ganz anders war, als ich es mir vorgestellt habe. Der Klappentext ließ darauf schließen, dass die Geschichte eine Variante der Erzählungen aus tausendundeiner Nacht ist, das Buch sei „voller Magie und Romantik“. Die Romantik habe ich leider in dem ganzen Buch nicht gefunden. Es gibt keine Liebesgeschichte zwischen den Protagonisten, nur den Kampf des Willens und auch der Magie, wer von den beiden stärker ist und überlebt. Durch die Angabe im Klappentext, dass die Protagonistin jede Nacht eine Geschichte erzählt, hatte ich erwartet, dass es in dem Buch vor allem auch um diese Geschichten geht. Die Protagonistin behauptet von sich selbst auch, dass sie eine sehr gute Geschichtenerzählerin sei und diese Stärke ausnutzen wolle. In der Handlung selbst kommen allerdings nur einige wenige Nächte vor, in denen sie etwas erzählt, das aber auch eher in einem Dialog mit Lo-Melkhiin und die Geschichten sind oft auch nur zwei oder drei Sätze lang.

Geschichten erzählt die Protagonistin, eine namenlose Ich-Erzählerin, dagegen dem Leser. Geschichten über ihre Vergangenheit oder über Träume und Visionen. Diese Geschichten sind, wie das ganze Buch, in einer poetischen und schönen Sprache erzählt. Allerdings haben viele dieser Geschichten auch grausame Aspekte. Das Leben in der Wüste ist hart und der Kampf ums Überleben wird nicht beschönigt, allerdings mag ich es z. B. nicht, wenn beschrieben wird, wie Tiere leiden oder gequält werden. Ich möchte mir nicht vorstellen, wie alte Kamele lebend den Hitzestürmen ausgesetzt werden, damit der heiße Sand ihnen das Fleisch von den Knochen reißt und die Knochen anschließend verwendet werden können. Auch die Taten des Dämons, der Menschen zum Spaß quält und sie zwingt, Kunstwerke zu erschaffen, während sie sich gleichzeitig zugrunde richten, wurden etwas zu bildlich beschrieben. Im Vergleich zu einigen Thrillern, die es zu lesen gibt, sind die Beschreibungen sicherlich harmlos, aber ich hatte ein magisches und eher romantisches Buch erwartet und war von der Geschichte daher etwas enttäuscht.

Positiv lässt sich sagen, dass mir die Sprache gefallen hat, die das Buch vorangetrieben hat. Auch wenn die Handlung vielleicht nicht immer schnell voranschreitet, hatte ich doch nie das Gefühl, mich zu langweilen oder einige Seiten vorblättern zu müssen, weil mich der Schreibstil gefangen genommen hat. Ich konnte in die Welt eintauchen und mir das Leben dort vorstellen. Leider hatte ich Probleme, mit der Protagonistin wirklich warm zu werden, da sie etwas arrogant und von sich überzeugt wirkte, vor allem, nachdem sie ihre Kräfte entdeckt hatte. Zusammen mit dem Fehlen einer Liebesgeschichte ging mir ihr Schicksal nicht wirklich nahe.

Fazit:
Eine Geschichte aus dem Orient, die sich mehr auf das Böse und den Widerstand dagegen sowie auf das harte Leben in der Wüste konzentriert und auf Romantik eher verzichtet. Wer in die Welt eintauchen möchte, keine Liebesgeschichte erwartet und auch an einem ruhigen Erzählstil seine Freude hat, wird das Buch mögen. Ich hatte mir allerdings etwas anderes vorgestellt.
 
 
 


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