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Gerd Ruebenstrunk

Das Wörterbuch des Viktor Vau

  • Autor:Gerd Ruebenstrunk
  • Titel: Das Wörterbuch des Viktor Vau
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Piper Taschenbuch
  • Datum:01 Juni 2012
  • Preis:9,99 EUR

 
»Das Wörterbuch des Viktor Vau« von Gerd Ruebenstrunk


Besprochen von:
 
pelaphina
Deine Wertung:
(3)

 
 
Der Autor hat eine Welt in der Zukunft entworfen, in der Demokratie durch die Dynastie ersetzt wurde. So gut wie jeder Ort wird videoüberwacht, der Spalt zwischen Reichen und Armen klafft immer weiter auseinander.
Auf einem unabhängigen afrikansichen Staat namens Dagombé wird eine Raumkapsel gefunden. scheinbar aus dem Nichts gekommen und mit einer Botschaft, deren Schrift auch die bekanntesten Sprachwissenschaftler nicht entziffern können. So ruft man den Linguisten Viktor Vau, der sich enttäuscht vom Universitätsbetrieb abgewandt hat und sich nun privat seiner Forschung an einer „logischen“ Universalsprache widmet. Mithilfe dieser keine Zweideutigkeiten zulassenden Sprache und einer neuen Medizin will er Schizophrene heilen.
Wie sich herausstellt, ist der fremdartige Text in Viktor Vaus eigener Sprache verfasst – doch niemand hatte Zugang zu seinem Wörterbuch. Viktor Vaus äußerst strukturiertes Leben ist damit vorbei, denn die Nachricht und sein eigenes Lebenswerk bedrohen plötzlich sein Leben. Über seine Assistentin gelangt er zu einer terroristischen Gruppe, die gegen die Union agiert, muss vor Geheimdiensten fliehen und wird von einer merkwürdigen Frau beschützt, deren Auftraggeber unbekannt ist. Derweil treibt ein Serienmörder sein Unwesen in der Stadt.

Meinung

Der Anfang der Geschichte ist ein wenig verwirrend, denn man wird unvermittelt in ein Wirrwarr verschiedener Perspektiven geworfen, deren Zusammenhang unklar ist. Der Roman ist so aufgebaut, dass man nach und nach über Hintergründe aufgeklärt wird. Hat man die anfänglichen Ratlosigkeit überwunden, wird und bleibt es jedoch spannend.

Sehr interessant war für mich neben den dystopischen Elementen die kleinen sprachphilosophischen Ausflüge, auch wenn sie bedauernswert an der Oberfläche blieben. Der Zusammenhang von Sprache und Denken und die Möglichkeit von politischer Manipulation durch Sprache war für mich plausibel und versprach Potential. Das Geschehen widmet sich allerdings mehr und mehr den verschiedenen Parteien, die hinter Viktor und seinem „Wörterbuch“ her sind und den Menschen in seinem Umfeld. Ist der Roman zu Beginn noch ganz nah an den Figuren, so bewegt sich die Handlung immer schneller und schenkt dem Innenleben der Figuren wenig Beachtung. So bleibt aufgrund der Erzählweise teilweise die Motivation der Figuren schwammig (z.B. bei Winter oder Astarte). Darunter fällt auch der Serienmörder, dessen Handeln auch am Schluss keinerlei Sinn ergibt und merkwürdig unverbunden dasteht.

Politiker, Geheimdienste, Privatpersonen und Mörder wuseln durch diese Welt, und nach und nach erfahren wir von den Experimenten des leicht autistischen Professors und deren Tragweite. Doch wird diese dystopische Welt nicht so richtig lebendig. Wir befinden uns irgendwann nach der „Postdemokratie“ und der großen Destruktion, doch scheint sich technisch absolut nichts verändert zu haben. Was ein Bild von der Zukunft betrifft, muss sich der Leser mit wenigen Aussagen von Figuren begnügen. Auch der Übergang von einem Gesellschaftssystem zum anderen wird kaum ausgeführt. Der Autor ist mehr in die Breite als in die Tiefe gegangen und so bleiben Welt und Figuren blass.

Leider weist das Buch auch einige logische Mängel auf, beispielsweise die Grundannahme, dass die Gehirnhälften getrennt voneinander arbeiten. Auch das Handeln des Serienmörders hat bis zum Schluss keinen rechten Sinn ergeben.

Das heißt nicht, dass der Roman nicht spannend ist, noch dazu ist er eine ziemlich bunte, ungewöhnliche Mischung, aber Ansprüchen an durchgehende Plausibilität oder eine umfassend beschriebene Welt kann er nicht genügen.

Fazit

Ein dystopischer Science-Fiction-Roman / Thriller, der spannend geschrieben ist und einige interessante Ansätze zeigt. Leider zeigt er auch eine gewisse Naivität und Oberflächlichkeit in Bezug auf Gesellschaft und Figuren sowie einige Logiklöcher.
 
 
 


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