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John Niven

Gott bewahre

  • Autor:John Niven
  • Titel: Gott bewahre
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne Verlag
  • Datum:12 November 2012
  • Preis:9,99 EUR

 
»Gott bewahre« von John Niven


Besprochen von:
 
Nazena
Deine Wertung:
(2.5)

 
 
Gott wurde missverstanden und schickt seinen Sohnemann zum zweiten Mal auf der Erde. Nicht, dass es dieses Mal besser liefe...


Es lief so gut- der Mensch hat sich auf die Wissenschaften vertieft, die Kirche verliert so langsam an Macht, die Pest war fertig und kein (allzu großer) Krieg stand an. Gott verlässt den Himmel also ungefähr zur Zeit der Renaissance, um eine Woche Fischen zu geht. Leider sind eine Woche im Himmel ungefähr 500 Jahre auf der Erde. Als er zurückkehrt, erleidet der Big Boss erstmal einen Tobsuchtsanfall und zitiert dann seinen Filius vor seinen Schreibtisch. Der kann sich den Niedergang auch nicht erklären, deshalb beschließt Gott, ihn nochmal auf die Erde zu senden- vielleicht klappt es ja im zweiten Anlauf besser.

Jesus ist gar nicht begeistert, ist er doch selbst erst seit 4 Wochen im Himmel und hat die Erde nicht gerade in bester Erinnerung. Es hilft nichts, statt mit den Römern muss er jetzt mit den Amis fertig werden, in einer Welt, in der die Irrenanstalten vollgestopft sind mit Menschen, die allen verkünden der wiedergeborene Jesus zu sein. Wie erreicht man die Massen also? Ganz einfach- Castingshows...



"Gott bewahre" ist unter dem Label Heyne Hardcore erschienen, was sozusagen eine Warnung ist. Personen mit empfindlichem Gemüt, religiöse Menschen und allgemein Leser mit gutem Geschmack sollten besser nicht zugreifen. Dabei wurde "Gott bewahre" von John Niven sogar vor der Drucklegung noch sehr entschärft, weil die Verlage es so nicht drucken wollten. Da fragt man sich, wie es vorher aussah- und nimmt von diesem Gedanken ganz schnell wieder Abstand. Manche Dinge will man einfach gar nicht wissen...

Die prinzipielle Idee des Romans ist nicht neu. Jesus muss wieder runter, weil er seinen Job beim ersten Mal nicht gut genug gemacht hat. Die Art und Wiese der Durchführung hätte auch ganz witzig sein können. So gibt es viele Anspielungen und Ideen auf die Popkultur (Gott mag zum Beispiel Videospiele) und Widersprüchlichkeiten zwischen der Grundbotschaft Gottes ("Seid lieb"!) und dem Christentum werden auf ironische Weise gelöst. Auch der Gerechtigkeitssinn wird angesprochen, so gibt es in der Hölle einen besonderen Platz für hetzende Fernsehpriester, die namentlich genannt werden (ich kannte sie nicht, aber dank Wiki kann ich mir ein gutes Bild machen. In den USA sind sie sehr bekannt), und Hitler muss als Kellner Juden bedienen. Die "Bösen" bekommen ihr Fett weg.

Viele Details sind sehr widerlich, auch die Folterungen der Hölle werden detailliert beschrieben- trotzdem wäre das Buch immer noch gut lesbar gewesen. Was mich aber wirklich störte, war der inflationäre Gebrauch von Obszönitäten. Es findet sich praktisch kein einziger Satz (!), der nicht die Worte f**ken, Ar***loch und ähnliches enthält. John Niven hält sich stur an sein Credo "Je mehr, desto besser" und überschüttet den Leser mit dem Bodensatz der Sprache, der sich auch noch ständig wiederholt. Vielleicht ist die Originalausgabe diesbezüglich noch farbiger, aber ich schätze, der Übersetzer ist irgendwo an seine Grenzen gestoßen.

Als "Horrorbuch" kann man den Roman nicht wirklich einstufen, es sei denn, man bezieht sich auf den Wortschatz oder man reicht es einem Philologen. Zu Beginn fand ich das Buch durchaus interessant, aber schon nach wenigen Kapiteln ist aus der ursprünglich witzigen Grundidee eine Aneinanderreihung von Widerlichkeiten geworden.

Ich kann für das Buch nicht wirklich eine Empfehlung aussprechen und weiß auch nicht, wie ich es bewerten soll. Ich bin mir sicher, es wird seine Fans finden, nur bin ich definitiv keiner davon. Also die goldene Mitte, die dem Buch auch ganz gut getan hätte: 2,5 Sterne.
 


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