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Renée Ahdieh

Zorn und Morgenröte

  • Autor:Renée Ahdieh
  • Titel: Zorn und Morgenröte
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Hardcover
  • Verlag:Bastei Lübbe (one by Lübbe)
  • Datum:12 Februar 2016
  • Preis:16,99 EUR

 
»Zorn und Morgenröte« von Renée Ahdieh


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Jeden Tag heiratet Chalid, der Kalif von Chorasan, eine junge Frau. Er verbringt die Nacht mit ihr und am nächsten Morgen wird sie hingerichtet. Als dies mit Shiva geschieht, beschließt die junge Shahrzad al-Haizuran, ihre Freundin zu rächen und bietet sich dem Kalifen freiwillig an. Er heiratet sie morgens. Er verbringt eine Nacht mit ihr. Und am nächsten Morgen verschont er das Leben Shahrzads...

Das Cover ist in nachtblau gehalten. Von oben nach unten wird es heller und suggeriert mir das Ende der Nacht und das leise Erwachen eines neuen Tages. Wie durch einen Türausschnitt blickt die junge Shahrzad mit einem Auge in die Welt. Eine Mischung aus Wut, Kampfgeist und ungebrochenem Glauben blitzt aus ihren Augen. Ich finde es gut zum Inhalt des Buches gewählt, da es die Stärke Shahrzad widerspiegelt. Aber ich muss gestehen, dass ich mir ein verspielteres Coverbild auch sehr gut hätte vorstellen können. Ein Bild, welches mehr das märchenhafte des Buches in den Vordergrund stellt, statt der Protagonistin.

Renée Ahdieh schreibt ruhig und spannend zugleich. Mit wenigen Worten schafft sie es nicht nur mein Herz zu berühren, sondern mich völlig in ihrer Geschichte gefangen zu nehmen. Ihre Worte sind leicht wie eine Feder, streichen liebevoll, fast zärtlich über mich hinweg und weben unmerklich ein so festes Netz, welches ich nicht zerreißen kann. Eh ich mich versah, war ich gefangen und genoss dieses Gefühl. Die Mischung aus modernem Märchen, Sage und Abenteuerroman hat mich begeistert. Dazu eine herzzerreißende Liebesgeschichte, die mein Innerstes berührte, ohne kitschig zu sein. Natürlich bediente die Autorin diverse Klischees, ohne die ich wirklich enttäuscht gewesen wäre und brachte mich mit den ein oder anderen Andeutung zum Schmunzeln. Zumindest gehe ich davon aus, dass die versteckten Anspielungen auf 1001 Nacht eher die verschmitzte Seite Ahdiehs zeigen sollen und nicht so ernst gemeint waren.
Wunderschön fand ich auch die Beschreibungen der Autorin: Ob das die Stadt ist, der Palast, Land und Leute oder so was einfaches wie das Essen, alles ließ sie vor meinen Augen erstehen und ich konnte ohne Probleme in eine fremde und magische Welt abtauchen. Selbst die flimmernde Hitze der Wüstenstadt konnte ich auf meiner Haut spüren.

Im Mittelpunkt der Geschehnisse steht der böse und unnahbare Kalif von Chorasan. Durch die Morde an seinen Bräuten wird er von seinem Volk Tag für Tag mehr gehasst. Erschwerend kommt hinzu, dass er sehr jung ist und den Thron bereits als Knabe besteigen musste. Nur wenige Vertraute sind an seiner Seite, kaum ein Mensch, dem er blind vertrauen kann. Als er sich der gnadenlosen Ehrlichkeit der jungen Shazi gegenüber sieht, kann er nicht anders, als sie zu bewundern für ihre Charakterstärke. Gerade weil sie sich derer nicht bewusst ist, wirkt sie so unbesiegbar. Dieser Spagat ist der Autorin sehr gut gelungen! Shazi ist ein unglaublich gefühlvoller Mensch mit einer inneren Stärke, die man nur bewundern kann. Anfangs war ich mir unsicher, ob ich ein Mädchen mag, dass mit ihren sechzehn Jahren mehr Lebenserfahrung vorweisen kann, als so manch ein Mensch mit siebzig. Aber Shahrzad eroberte mein Herz sehr schnell und ließ es nicht mehr los. Sie schlich sich leise hinein und blieb. Ich kann also sehr gut nachvollziehen, wie es dem unnahbaren Kalifen ergangen seien mag.
Neben diesen beiden starken Persönlichkeiten ist zwar nicht mehr viel Platz, aber trotzdem können sich auch andere Charaktere behaupten und aus der Masse abheben. Besonders gut haben mir die Magd Despina und Hauptmann Jalal al-Churi gefallen. Sie bieten ihren Herren die Stirn auf sympathische Art, zeigen aber Stärke, wenn sie angebracht ist.
Fast könnte man meinen, dass ein weicher, unsicherer Charakter als Ausgleich fehlen würde. Fast eben.

Für mich lebt das Buch einzig durch seine Charaktere. Die Handlung ging mir irgendwann verloren, beziehungsweise trat mehr und mehr in den Hintergrund und ich lebte nur dafür zu erfahren, was Chalid antreibt, wie er zum Massenmörder werden konnte. Und wie es möglich ist, dass sich ein junges Mädchen mit einer reinen Seele in diesen Mann verlieben konnte.

Mein Fazit

Ein märchenhafter Serienauftakt, der mich berührte und begeisterte!
 
 
 


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