•  
    Leseliste
  •  
    Vogemerkt
  •  
    Rezension
  •  
    Gelesen
  •  
    Neu

Wesley Chu

1
Die Leben des Tao

  • Autor:Wesley Chu
  • Titel: Die Leben des Tao
  • Serie: 1
  • Genre:SF
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:FISCHER Tor
  • Datum:13 Oktober 2016
  • Preis:9,99 EUR

 
»Die Leben des Tao« von Wesley Chu


Besprochen von:
 
Korlat
Deine Wertung:
(4)

 
 
Gleich zu Beginn lernen wir Tao kennen. Er ist in einer brenzligen Situation. Sein derzeitiger Wirt stürzt sich während einer blutigen Auseinandersetzung vom Dach eines Hochhauses und ermöglicht durch seinen Tod Tao, sich einen neuen Wirt suchen zu können. Dumm nur, dass Tao dafür nicht viel Zeit hat, denn die Atmosphäre unserer Erde ist tödlich für ihn, wenn er nicht im Inneren eines Wirtes Zuflucht findet. So kommt Roen Tan zu einer Stimme in seinem Kopf, der Stimme von Tao. Roen ist Programmierer, durchschnittlich, übergewichtig, unzufrieden mit seinem Leben und lethargisch. Tao ist ein Quasing, ein Alien, dessen Raumschiff vor Millionen von Jahren auf der Erde eine Bruchlandung machte. Nun sind er und die anderen Quasing darauf angewiesen, in lebendigen Wirten weiter zu existieren, immer ihr Ziel vor Augen, die Evolution so weit zu treiben, bis die Menschen zu den Sternen aufbrechen können.
Roen ist kein idealer Wirt. Nachdem Tao ihn davon überzeugt hatte, nicht verrückt zu sein, bringt er ihn dazu, das Lauftraining aufzunehmen und Diät zu halten. Er soll ein Agent der Prophus werden, eine der beiden verfeindeten Quasing-Fraktionen. Die Genjix fördern Konflikte, weil dies nach ihrer Auffassung die technologische Entwicklung vorantreibt. Allerdings geht dies auf Kosten der Umwelt und es bedeutet häufige kriegerische Auseinandersetzungen. Die Prophus wollen ihr Ziel möglichst ohne tödliche Konflikte erreichen.
Tao muss schnell wieder in den Dienst. Die Prophus geraten immer mehr ins Hintertreffen. Die Genjix entwickeln gefährliche Geräte und die Prophus versuchen, mit ihnen Schritt zu halten. Roen wird so gut es geht ausgebildet und dann ins kalte Wasser geworfen. Mittlerweile ist er selbstbewusster geworden und hat sogar den Mut gefunden, eine Frau auf ein Date einzuladen, die er schon länger bewundert. Den Machtzuwachs der Genjix kann er allerdings auch nicht verhindern.

Kommentar:

Die Story ist so neu nicht. Einstein, Napoleon, Sokrates, Washington, Bill Gates, Steve Jobs …. Sie alle lebten mit einem Quasing, ebenso wie Dschingis Khan, Alexander der Große und viele andere Berühmtheiten. „Sagen wir einfach, dass Steve (Jobs) nicht ganz so brillant war, wie alle Welt meinte.“ ist einer dieser hingeworfenen Sätze, die zeigen, wie viel Einfluss die Quasing auf die menschliche Geschichte und die technologische Entwicklung hatten. Jedenfalls wenn man Wesley Chus Geschichte folgt. Verschwörungstheoretiker können diesem Gedanken leicht folgen.

Hier geht es aber nicht (jedenfalls nicht hauptsächlich) um Berühmtheiten. Roen Tan ist ein Couch-Potato, der Blurb sagt es uns bereits und wir verfolgen seine Bemühungen, mit der Persönlichkeit, die plötzlich in seinem Leben auftaucht, fertig zu werden. Im Ergebnis wird er zu einer Person, die er schon immer sein wollte – fit, selbstbewusst, irgendwie wichtig. Aber dafür muss er auch Dinge tun, die er sich für sich nie erträumte und ganz sicher nie wollte. All dies ist unterhaltsam beschrieben. Roen verliert seinen sarkastischen Humor nicht, er hilft ihm über die demütigenden Erfahrungen seiner körperlichen Unzulänglichkeit während seiner Ausbildung hinweg. Er ist ein intelligenter Kerl, den auch bald Zweifel befallen, ob er wirklich die Kämpfe einer fremden Rasse führen will.

Kapitel für Kapitel erfahren wir mehr über die Leben des Tao, die Menschen, mit denen er lebte, die geschichtlichen Ereignisse, die er auslöste – manches Mal auch entgegen seiner Absicht. Roen ist zwar die Hauptperson, aber wir hören auch immer wieder einiges von den Aktivitäten der Gegenseite aus Sicht eines führenden Genjix. Mit einigen von ihnen hat Tao eine schon Jahrhunderte währende Fehde.

Die Prophus werden als die netteren Quasings beschrieben, ihre Wirte als die netteren Menschen. Die Fremdheit, die zwischen den fast unsterblichen Aliens und den kurzlebigen Menschen existieren muss, scheint aber kaum zwischen den Zeilen hervor. Hier hat der Autor die Chance vergeben, dem Roman noch eine ganz andere Sicht hinzuzufügen. Schade.

Das Ende ist offen. Wesley Chu hat zwei weitere Bände geschrieben, die die Geschichte fortführen werden. Wie er sie allerdings zu Ende bringen will, ist mir rätselhaft. Werden die Aliens es schaffen, wieder ins All zu kommen, ohne die Erde zu ruinieren?

Fazit:

Ich hatte Spaß mit dem Buch. Es bietet Unterhaltung mit lockeren Sprüchen. Mal sehen, wie es weitergeht.
 
 
 


Mehr Rezensionen von Korlat