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Boris Koch

Das Schiff der verlorenen Kinder


 
»Das Schiff der verlorenen Kinder« von Boris Koch


Besprochen von:
 
Elohym78
Deine Wertung:
(4)

 
 
Nach einem besonders heftigen Streit mit den Eltern, finden sich die beiden Brüder Leo und Felix plötzlich auf einem Schiff wieder. Ihr Zimmer wurde aus der Wirklichkeit gerissen und befindet sich jetzt auf der Seelenfänger; einem unheimlichen Schiff, dass mit Monstern bestückt, durch die immer währende Nacht fährt. Die einzigen Menschen an Bord sind Kinder, die sich selbst die Verschollenen nennen. Gequält in der Wirklichkeit finden sie sich in einem wahr gewordenen Alptraum wieder.
Doch so sollte es nicht sein, denn ursprünglich war das Schiff für gequälte Seelen konzipiert, um ihnen Frieden zu schenken...

Das Cover ist sehr dunkel gehalten. Es zeigt die Seelenfänger in ihrem gewaltigen Ausmaß. Sie glitzert förmlich in der Dunkelheit und droht Licht, Hoffnung und Leben zu verschlingen. Im Vordergrund, der Nachtturm, beschienen von silbrigem Mondlicht. Auch er wirkt nicht hoffnungsvoll, sondern bedrohlich und einsam.
Ich finde das Coverbild sehr stark gewählt. Es spricht von der Mutlosigkeit, die dem Buch innewohnt und lässt kaum gute Gedanken zu.

Boris Koch schreibt sehr stark und bildgewaltig. Es fiel mir erschreckend leicht, mich auf der Seelenfänger zu verlieren. Gemeinsam mit den Protagonisten schlich ich durch das geheime Labyrinth der Luftschächte, fürchtete mich in den schier endlosen Gängen des Schiffes und erschrak, wenn ein Monster meinen Weg kreuzte. Die Hoffnungslosigkeit, die Resignation und die Angst der Kinder und Jugendlichen schmeckte ich förmlich auf der Zunge und ließ mich in einen Strudel der Mutlosigkeit mitreißen.
Im Gegensatz zu den Passagieren konnte ich mich jedoch auch an der schillernden Phantasie des Autors erfreuen und die Umgebung bestaunen und bewundern! Denn bei all der vorherrschenden Dunkelheit, fand ich es auch faszinierend und ich staunte immer wieder über die Wendungen, die das Buch nahm!
Ursprünglich war das Schiff gebaut, um die Kinder und Jugendlichen aus ihren grausamen Zuhause zu retten. Der Wirklichkeit zu entreißen und ihnen ein Leben fernab der Quälereien zu ermöglichen. Doch mit den Kindern kamen auch die von ihnen erschaffenen Monster mit an Bord. Unbezwungen, ignoriert und zur Seite geschoben, rotteten sie sich zusammen und übernahmen das Kommando. Statt Glück herrschte plötzlich Terror und das Leben jenseits der Wirklichkeit gestaltete sich als noch viel grausamer. Und es gibt kein Entkommen. Außer, die Kinder stellen sich ihren Ängsten.

Doch der wirkliche Atem wurde von Boris Koch dem Buch durch seine Protagonisten eingehaucht. Ich liebe jeden von ihnen von konnte sofort eine Beziehung aufbauen. In der Atmosphäre der Angst und Unsicherheit glimmt ein kleiner Funke der Hoffnung. Der Hoffnung und der Zusammengehörigkeit. Denn in den tiefsten Tiefen des Schiffes, im Labyrinth, versteckt sich Asra. Sie beobachtet, analysiert und bleibt am Leben. Als die Brücher Leo und Felix plötzlich auftauchen, gibt sie ihnen Tipps. Das Wunder geschieht: Sie überleben einen Werwolfangriff, als sie Chrissy retten. Denn es ihr Werwolf, den es zu bezwingen gibt. Durch diese Tat schwappt die Hoffnung in einer kleinen Welle über das Schiff, die sich zu einer bahnbrechende Woge auftürmt.
Die Interaktion der Jugendlichen zeugt von viel Verstehen, Vertrauen und Glaube, die in meinen Augen nur Kindern gegeben ist, die noch an die eigene Unsterblichkeit glauben. Der Autor schenkt mir ein kleines Stückchen dieses Glauben; plötzlich ist alles möglich, was ich sehr spannend fand und mehr als gerne gelesen habe.

Mein Fazit

Das Schiff der verlorenen Kinder ist mehr als eine Reise ins Ungewisse. Es ist auch eine Reise ins Ich und regt zum Nachdenken, aber auch zum Träumen ein. Vieles ist möglich! Wenn man den richtigen Zauberspruch kennt und den Glauben an sich selber nicht verliert!
 


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